Was ein Expresskredit ist und welche Formen es gibt
Der Begriff Expresskredit ist keine rechtlich geschützte Bezeichnung. Gemeint sind Kredite, die online beantragt und besonders schnell ausgezahlt oder freigeschaltet werden. In der Praxis stecken dahinter drei Produkte: der Kurzzeitkredit mit einer Laufzeit von wenigen Wochen, die Kreditkarte mit Teilzahlungsfunktion und der klassische Ratenkredit mit festen Raten. Für alle gelten die Vorschriften über Verbraucherdarlehen in den §§ 491 ff. BGB, etwa zu Vertragsinhalt, Widerruf und Information vor Vertragsschluss.
Der Unterschied liegt in der Rückzahlung. Beim Kurzzeitkredit zahlst du den Betrag samt Zinsen am Ende der Laufzeit oder in zwei Raten zurück. Bei der Kreditkarte nutzt du einen Rahmen, zahlst monatlich eine Mindestrate und kannst jederzeit mehr tilgen. Beim Ratenkredit stehen Laufzeit und Rate von Anfang an fest. Welche Form günstiger ist, hängt davon ab, wie lange du das Geld wirklich brauchst.
Zinsen, Mindestrate und Rechenbeispiele
Der Sollzins gibt an, wie hoch die reinen Kreditzinsen pro Jahr sind. Der effektive Jahreszins enthält zusätzlich bestimmte Kosten des Kredits und ist nach der Preisangabenverordnung (PAngV) in der Werbung anzugeben. Nur der effektive Jahreszins macht Angebote vergleichbar, und das gilt auch, wenn der Kredit nur wenige Wochen läuft. Optionale Zusatzleistungen, etwa eine schnellere Bearbeitung gegen Aufpreis, sind nach den Angaben der Anbieter oft nicht im effektiven Jahreszins enthalten.
Zwei Rechenbeispiele mit den Werten dieser Seite: Beim Kurzzeitkredit mit 12,71 % Sollzins kosten 500 € über 60 Tage nach der Formel Betrag × Sollzins × Tage ÷ 365 rund 10,45 € Zinsen, also in Summe 510,45 €. Bei der Kreditkarte mit 22 % Sollzins und 1.500 € Saldo fallen im ersten Monat etwa 27,50 € Zinsen an. Beträgt die Mindestrate 2 % des Saldos, also 30 €, werden davon nur etwa 2,50 € getilgt. Die Schuld sinkt dann so langsam, dass sich die Laufzeit über viele Jahre ziehen kann.
Zahle deshalb, wenn möglich, einen festen Betrag, der deutlich über der Mindestrate liegt, oder richte einen Dauerauftrag zur vollständigen Tilgung ein. Prüfe außerdem, ob Sondertilgungen kostenlos sind. Das Verbraucherkreditrecht gibt dir bei Ratenkrediten das Recht, den Kredit jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückzuzahlen.
Wie die Kreditprüfung abläuft
Kreditgeber müssen vor Vertragsschluss prüfen, ob du den Kredit voraussichtlich zurückzahlen kannst (§ 505a BGB). Dazu fragen sie Einkommen, Ausgaben und bestehende Verpflichtungen ab und holen meist eine Auskunft bei einer Auskunftei wie der Schufa ein. Einige Anbieter nutzen andere Auskunfteien oder eigene Modelle. Eine Zusage ohne jede Prüfung wäre nicht mit den gesetzlichen Pflichten vereinbar. Werbung mit „Kredit ohne Prüfung“ solltest du daher mit Skepsis lesen.
Eine Anfrage zu Konditionen belastet deine Bonität in der Regel nicht, ein konkreter Kreditantrag kann dagegen vermerkt werden. Stelle deshalb nicht bei vielen Anbietern gleichzeitig verbindliche Anträge. Wird ein Antrag abgelehnt, hast du das Recht zu erfahren, auf welcher Auskunft die Ablehnung beruht. Bei der Schufa kannst du einmal jährlich eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO anfordern.
Alternativen und Warnzeichen
Bevor du einen Expresskredit abschließt, lohnt ein Blick auf günstigere Wege. Ein Ratenkredit einer Bank hat bei guter Bonität meist einen deutlich niedrigeren Zins, braucht aber etwas mehr Zeit. Der Dispokredit ist sofort verfügbar, hat aber ebenfalls hohe Zinsen. Bei einer einmaligen Rechnung kannst du mit dem Gläubiger Ratenzahlung oder Stundung vereinbaren, was oft nichts kostet. Wenn die Raten bereits jetzt schwer fallen, hilft eine kostenlose Schuldnerberatung, die du über Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Verbraucherzentralen findest.
Warnzeichen für unseriöse Angebote sind Vorabgebühren, ein angeblicher Kredit trotz negativer Bonität und Druck zu einer schnellen Entscheidung. Kreditvermittler dürfen nach § 655c BGB eine Vergütung nur verlangen, wenn der Kredit tatsächlich zustande kommt. Zahlst du vorab für „Bearbeitung“ oder „Versicherung“, solltest du nicht weitermachen. Prüfe außerdem, ob der Anbieter in einem Register der Finanzaufsicht verzeichnet ist. Die BaFin führt dazu eine Unternehmensdatenbank, und für Anbieter aus dem EU-Ausland gilt die Aufsicht ihres Sitzlandes.
Schritt für Schritt zum passenden Kredit
Beginne mit einer ehrlichen Bedarfsrechnung: Wie viel Geld brauchst du wirklich, und wann kannst du es zurückzahlen? Ein zu hoher Betrag verursacht unnötige Zinsen, eine zu kurze Laufzeit erzeugt Druck bei der Rückzahlung. Rechne die monatliche Belastung gegen dein Einkommen und deine festen Ausgaben, und plane einen Puffer für Unvorhergesehenes ein.
Vergleiche danach mindestens drei Angebote anhand des effektiven Jahreszinses, der Gesamtkosten und der Vertragsbedingungen. Lies das Europäische Standardisierte Merkblatt (ESIS), das dir Kreditgeber vor Vertragsschluss geben müssen. Es fasst Zinsen, Laufzeit, Raten und Gesamtbetrag in einheitlicher Form zusammen. Achte darauf, ob der Sollzins fest oder veränderlich ist, denn bei veränderlichem Zins kann sich die Belastung während der Laufzeit erhöhen.
Nach dem Vertragsschluss gilt das Widerrufsrecht von 14 Tagen für Verbraucherdarlehen ab 200 €. Nutze die Zeit, um alle Unterlagen noch einmal zu prüfen. Notiere dir Rückzahlungstermine im Kalender und aktiviere die Benachrichtigungen der Anbieter-App. Wer pünktlich zahlt und früh tilgt, schützt seine Bonität und spart Zinsen.